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Pressebericht |
| In Oettingen ist der Braumeister zugleich noch Pförtner von Jochen Mayer Mit 6,4 Millionen Hektolitern ist OETTINGER das meisgetrunkene Bier in Deutschland - Günstige Preise durch starke Rationalisierung. Als Jürgen Trittin vor drei Jahren das Dosenpfand eingeführt hat, sollte dies vor allem der Umwelt nützen. Doch der damalige grüne Umweltminister hatte sich auch ungewollt als Wirtschaftsförderer betätigt - zumindest für die Brauerei OETTINGER. Die blecherne Getränkeverpackung verschwand fast spurlos aus den Regalen, der Weg war frei für das Bier in blauen Kisten und braunen Flaschen. „Wir waren die erste Alternative auf nationaler Ebene im Niedrigpreissegment", resümiert Seniorchef Günther Kollmar. Den Begriff „Billigbier", mit dem OETTINGER gerne belegt wird, mag Kollmar nicht benutzen. Spekulationen, der OETTINGER-Umsatz sei durch das Pfand um 20 bis 30 Prozent gestiegen, werden nicht kommentiert. „Man kann sagen, das Dosenpfand hat sich positiv ausgewirkt", sagt der 67-Jährige mit einem Schmunzeln. Ganz von der Hand zu weisen ist der „Trittin-Effekt" in der Tat nicht: OETTINGER stieg vor zwei Jahren zur meistgetrunkenen Biermarke in Deutschland auf. 6,4 Millionen Hektoliter Bier hatte die Brauerei verkauft, eine knappe Million mehr als die bis dahin führende Brauerei Krombacher. Kaufanreize hatte Kollmar nicht durch Werbung geschaffen - für ihn zählt ein niedriger Preis. Damit er diesen halten kann, ist der Brauvorgang stark rationalisiert. Am Stammsitz im bayerischen Oettingen steuern zwei Mitarbeiter die Produktion. Der Braumeister ist zugleich der Pförtner und hat nicht nur einen Computerbildschirm für die Maschinensteuerung vor sich, sondern auch einen kleinen Schwarzweißmonitor, auf dem er das Werkstor im Blick hat. Von den 400 Mitarbeitern in den zwei OETTINGER Braustätten deutschlandweit sind es 1100 - sind die meisten im Versand beschäftigt. 180 firmeneigene Lastwagen fahren Bier und Limonade von den fünf deutschen Produktionsstandorten in Oettingen, Mönchengladbach, Gotha, Dessow und Schwerin zu den mehr als 10 000 Verkaufsstätten. Durch den Direktvertrieb spart Kollmar weitere Kosten. Dosenbier wird im Übrigen auch produziert - für die ausländischen Märkte. Kollmar ist vorsichtig mit neuen Sorten. „Nicht entwickeln, abwarten, was der Markt bei anderen macht", lautet das Credo des studierten Brauereiwirtschaftlers. Erfolgreiche Produkte, etwa auf dem Sektor der zurzeit stark gefragten Biermischgetränke, könne Oettinger dann innerhalb von vier Wochen am Markt platzieren. Stolz ist Kollmar, der die einstige Genossenschaftsbrauerei Oettingen Ende der fünfziger Jahre übernommen hatte, den Kaufgelüsten der großen Getränkekonzerne bisher erfolgreich widerstanden zu haben. „Die standen alle schon da, und die haben wir alle wieder nach Hause geschickt", sagt Kollmar. Er selbst, der im Jahr 2003 Carlsberg die Hannen-Brauerei abgekauft hatte, steht Zukaufen stets aufgeschlossen gegenüber. Pläne für eine Expansion in Spanien und Osteuropa sind in Vorbereitung.
Als „Bierbrauer mit Herz" (Kollmar) ist der Seniorchef, dessen familiäre Wurzeln auch bis nach Besigheim reichen, noch der elterlichen Brauerei im mittelfränkischen Fürnheim verpflichtet. Die Restaurierung des Gasthofes hatte er sich zum 60. Geburtstag gewünscht - indem jeder der OETTINGER-Mitarbeiter einige Stunden mithelfen sollte. Dass Kollmar Tradition und Disziplin am Herzen liegen, davon künden auch die Bilder an Wänden der Forstquell-Brauerei: hier der Alte Fritz in Öl, dort ein Konterfei Paul von Hindenburgs mit eigenhändiger Widmung. Wenn Kollmar auch aus seiner konservative Grundhaltung keinen Hehl macht wird beim Bockbieranstich am Aschermittwoch auch der bayerische Ministerpräsident mit einem selbst gedichteten Vers bedacht: „Stoiber ließ schnell die Verantwortung sausen, und fuhr zurück nach Wolfratshausen." Ein solch wankelmutiger Geist kann bei Kollmar lange auf Verständnis hoffen. Heilbronner Stimme. 03.03.2006 |
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Oettinger Brauerei GmbH - Brauhausstraße 8 - D-86732 Oettingen i. Bay. |